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#0002 - Melanie

Melanie war heute ganz kratzig. Sie verbrachte kürzlich zehn Tage in Italien, die meiste Zeit davon in Venedig. Melanie ist vernarrt in dieses Monstrum von Stadt, verbringt jedes Jahr ein paar Tage dort, manchmal mehr. Diesen Sommer gönnte sie sich eine gute Woche. Melanies Städtereisen beinhalten in der Regel viele Besuche von Orten für kulturell interessierte, phantasielose Menschen. Ihr kleines schwarzes Büchlein ist voll von Besichtigungszielen. Wenn sie ihr Büchlein verlieren würde und sie einfach so dastünde, mit sich selber, vor dem Palazzo Ducale, sie würde vergehen in der Tiefe ihrer frostigen Seele, während sie mitten in der Sonne stünde. Das behauptet sie jedenfalls, während sich ihre Tonlage in einem weiten Bogen gen Süden beugt.

Dieses Mal war nicht viel los mit Kultur und ihrer Uhrwerkplanung. Sie hatte am zweiten Tag einen Italiener aus Turin kennengelernt. Melanie ist sportlich schlank, mit einer Haut aus Gold und dem Gesicht eines Robbenbabys. Sie macht sich nicht viel aus Männern, ihr hat es nie an ihnen gefehlt. Aber bei diesem jungen Mann aus Turin, sagt sie, da hätte ihr Herz begonnen zu pumpen und zu saugen wie eine Bohrinsel.  "Da kann man schon mal die Übersicht verlieren".

Nach einer Reihe lusterfüllter Nächte und Vormittage, und zurück in ihrer farblosen Heimat, ließ die Verblendung nach, und die Reue zog sich mit ihren eisigen Tatzen an ihrem Rückgrat hoch.

"Stell dir mal vor, was in einer Stadt wie Venedig für ekelhafte Dinge bis in die hintersten Gemächer des Niemandslandes sprießen", äußerte sie ihre Sorgen mit größter Dringlichkeit. Sie gab mir die Schuld für ihren Leichtsinn – "Von wem soll ich das sonst haben?" – und verpflichtete mich zu einem gemeinsamen Test auf alles. Ich jammerte kokett nach außen und freute mich glucksend nach innen. Zeit mit Melanie zu verbringen ist stets wie ein Schuss knispernder Frische. Ich habe mein Herz schon vor langer Zeit an sie verloren. Gut, dass ich noch ein paar Herzen übrig hab.

Das Testergebnis war wider Erwarten eine unangenehme Überraschung. Geschlechtskrankheiten sind etwas abstraktes, olle Geschichten, wie der Osterhase, oder die Jungfrau Maria. Man glaubt zwar daran, aber man weiß es besser. Hatten wir jedenfalls noch gedacht, als wir versuchten den desolaten Warteraum zum Unmut der Anwesenden etwas in Schwung zu bringen, mit der Aufführung von "Vier Warzen und ein Anus", ein Improvisationsstück in drei Akten. Anscheinend hatte man es lieber desolat.

Melanie muss jetzt eine Trichomoniasis behandeln. Anfangs habe ich mir noch einen Spaß aus ihren Umständen gemacht, aber natürlich nützt Melanie jede Gelegenheit, um sich mit imposanter Theatralik über ihren Grande Juventino auszulassen und mir ein schlechtes Gewissen einzujagen, was vollkommen absurd ist, aber trotzdem funktioniert, und zwar so gut, dass ich ihr bereits angeboten habe mich bei ihr anzustecken, worauf sie gelacht hat, und ich habe mit ihr gelacht.

Aber in meiner Brust fühlte sich dieses Lachen an wie tausend Nadelstiche.

16.7.09 02:20


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#0001 - Durst

Den ganzen Tag rumseufzen und über die Feuchtigkeit stöhnen, die sich als toxischer Film über die Haut legt. Da hilft kein Gebläse und kein nasses Handtuch. Ich sollte an eine trockene Gegend am adriatischen Strand fahren, wo blasse Steine durch die rostige Erde ragen und sich die Blindschleichen im stacheligen Gestrüpp Guten Tag zuzittern. Aber dafür fehlt mir die Kraft. Es ist zu feucht.

Ich kann gar nichts mehr denken. Mir fehlt jeder Funke. Alle Zeit der Welt mit sich selber verbringen pervertiert. Zu einer guten Geschichte gehören immer drei. Da ist einer zwei zuwenig.

Ich habe Durst wie zwei Wüsten. Soviel kann ich gar nicht trinken. Wer kann das schon!

16.7.09 00:30





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